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Die Vergangenheitsbewältigung geht
nach einem Schema vor, zu dem es keine Alternative zu geben scheint.
Man versucht, die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus
wach zu halten, hat aber zugleich dessen Ungeist so rigoros aus dem
Bewusstsein der Öffentlichkeit verbannt, dass sich nicht einmal
die wissenschaftliche Literatur mit den Vorstellungen Houston Stewart
Chamberlains, Werner Sombarts oder Adolf Hitlers ernsthaft auseinander
setzt. Unser Gedächtnis verhält sich also zum Denken der
Faschisten bzw. Präfaschisten ganz anders als zu den Taten, die
daraus zwangsläufig folgten, was schlimme Konsequenzen hat. Denn
der menschliche Geist sucht nach den möglichst umfassenden Erklärungen.
Unter den Voraussetzungen des heute üblichen Umgangs mit der
Vergangenheit kann aber der an der Aufklärung Interessierte nur
die gesellschaftlichen Instanzen, Institutionen und Traditionen vor
seinen inneren Richterstuhl ziehen, die in seiner Vorstellung präsent
sind. So kommt es, dass die Antisemitismusforschung eines Friedrich
Heer und anderer nicht das zum Glück völlig vergessene völkische
Denken der geistigen Urheberschaft der schlimmsten Verbrechen der
Geschichte bezichtigt, sondern das Christentum. Es ist die Aufgabe
der vorliegenden Studie, diesen fatalen Irrtum zu korrigieren und
die wichtigsten Thesen des abstrakten deutschen Antisemitismus zu
widerlegen, dessen Spuren auf eher antichristliche Denker zurückweisen,
wie auf den jungen Hegel, auf Feuerbach, Marx, Schopenhauer und Nietzsche.
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